Im Unstruttal ... Natur genießen, Kultur erleben ... Sagen

Die Unstrut - 190 km Flusslauf von der Quelle bis zur Mündung

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Die Rache der Unstrutnixe

Ganz ganz früher wurde das Wasser der Unstrut von Nixen bewohnt. Einmal spielten Knaben in der Nähe des Flusses, und einer sagte im Übermut: "Kommt, wir wollen die Nixe zu Tode steinigen, die an der Gartenecke, dort im Flusse wohnt, wo er am tiefsten ist." Schnell waren alle dabei und liefen zu der bezeichneten Stelle. Stein auf Stein warfen sie in die Tiefe, und sie riefen höhnisch dabei:

"Wassernixe, du mußt sterben in dem tiefen Wasserloch! Wassernixe, bist getroffen? Wassernixe, lebst du noch?"

Und bei jedem Steinwurf schäumte das Wasser hoch auf, ein Anblick, der die Knaben mehr und mehr reizte und sie übermütiger werden ließ. Und die Steine flogen immer schneller in die Fluten. Auf einmal, sie wußten nicht, wie ihnen geschah, stand die Nixe plötzlich unter ihnen, blickte sie zornigen Blickes an, suchte nach dem Anstifter, packte ihn bei den Haaren und zog ihn mit sich in die Tiefe, alles Sträuben half ihm gar nichts. Vom Schrecken wie gelähmt standen die Knaben starr vor Entsetzen da und blickten ihrem Spielgefährten nach. Doch sehen konnten sie ihn nicht mehr, sie hörten aus der Tiefe des Flusses nur einen furchtbar gellenden Angstschrei und sahen bald darauf, wie sich das Wasser blutrot färbte, ein Zeichen, daß die Nixe ihr Opfer getötet hatte.

Quelle: Sagen und Legenden aus Nebra (Unstrut),
Gesammelt und neu erzählt von Rudolf Tomaszewski, Nebra 1987





Muttertränen in Perlen verwandelt

Einst wollte eine arme Witwe ihren Flachs an der Unstrut rösten. Beim Anblick des Flusses aber mußte sie bitterlich weinen, denn erst kürzlich war ihr einziges Töchterlein in die Unstrut gefallen und seitdem verschwunden.

Zahlreich rollten ihr die Tränen über die Wangen und mischten sich mit dem Wasser des Flusses.

"Oh, du mein liebes einziges Kind, da liegst du nun tief unten im kalten Wasser begraben", so klagte sie. "Oder hat dich vielleicht die Nixe um deiner Schönheit willen mit sich genommen in ihr feuchtes Reich? Ach, nur ein einziges Mal noch möchte ich dich sehen, du mein herziges Kind!"

Bei diesen Worten der unglücklichen Mutter flössen die Wasser plötzlich ruhiger dahin, und leiser Gesang ertönte aus der Tiefe des Flusses. Da tauchte die Nixe aus dem Wasser empor, in den Armen ruhte das so schmerzlich beweinte Kind.

Als nun die Mutter flehendlich bat, ihr das Kind doch wiederzugeben, dafür ihr eigenes Leben im Tausch zu nehmen, schwebte die Nixe mit leichtem Fuße über das Wasser zu der Bittenden und legte ihr das tote Kindlein in die Arme.

Mit tränenden Augen betrachtete die Mutter ihren kleinen Liebling und sagte dann zu der Nixe: "Hast du es getötet? Nein, so grausam kannst du doch nicht sein, denn voller Teilnahme blicken deine Augen. Gewiß ist es ohne deine Schuld ertrunken und du hast es nicht retten können. Und so will ich es wenigstens begraben in guter Heimaterde und ihr Grab schmücken mit schönen Blumen, die sie so gern mochte." "Tu es, arme Mutter, und damit du es kannst, so nimm diese Perlen hier in goldener Schale. Es sind deine Tränen, die ich aufgefangen und in Perlen verwandelt habe."

Also sprach die Nixe und verschwand in den quirlenden Wassern der Unstrut.

Quelle: Sagen und Legenden aus Nebra (Unstrut),
Gesammelt und neu erzählt von Rudolf Tomaszewski, Nebra 1987

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